OUTFIT: Noch nicht alles



"Warum sollte ich woanders hinziehen? Ich habe doch alles hier, was ich brauche, was mich glücklich macht, ich will hier nicht weg." Ich merke, dass sich etwas in mir wehrt, als sie mir das sagt. "Ja, schon, aber willst du nicht mal etwas verändern? Noch etwas anders sehen? Du bist doch auch erst 19." "Ja, und?" Und plötzlich merkte ich, dass es sich hier nicht um eine schwesterliche Meinungsverschiedenheit handelte, sondern sich ein grundlegender Unterschied zeigte, was gar nicht daran liegt, dass wir so unterschiedliche Persönlichkeiten sind.

Was uns aber unterschied, war unsere Einstellung zum
Neuen. Zum Unbekannten. Während ich mittlerweile die Haltung einnehme, Dinge einfach spontaner auszuprobieren und öfter einfach "ja" zu sagen, braucht sie die Vorbereitung, das Planen, das Gewohnte, das Gemochte. "Ich trau mich halt oft einfach nicht", meint sie.


Was mir aber nach unserem Telefonat bzw. durch meine Reaktion bewusster denn je wurde: Ich will viel mehr. Und: Das hier, mein Alltag in Leipzig, mein Umfeld, meine kleine Welt, die Menschen die ich hier kenne, das hier ist noch nicht alles. Ich will mehr Neues kennenlernen, mehr Unbekanntes zu Gewohntem machen, mehr sehen und entdecken, mehr staunen, mehr abspeichern. Das liegt auch vor allem daran, dass ich mich mehr trauen möchte und an all dem Neuen mich selbst verändern und vor allem verbessern will. Das geht aber nicht, wenn du dein Umfeld, deine Gewohnheiten ständig gleich hälst. Ich habe mal geschrieben, dass ich Veränderungen nicht mag. Das stimmt so auch, allerdings bloß diese, die man einfach akzepzieren muss, die man nicht wollte und noch weniger etwas an ihnen ändern kann. Diese Machtlosigkeit hasse ich. Andernfalls aber sind Veränderungen das Beste, das dir passieren und was du immer selbst versuchen und bezwecken solltest. Denn die besten Veränderungen sind die, die du selbst initiierst und die dich in einer Weise fördern, gut tun und voran bringen, wie du es nie vorher gedacht hättest. Dafür braucht es meiner Meinung nach aber den Mut und den Willen und auch die Neugier, sich in neue Situationen stürzen zu wollen. 

Es ist schön, sich ein Umfeld aufbauen zu können, das einem gut tut und in dem man sich wohlfühlt. Auch ich habe das hier die letzten 3 1/2 Jahre gemacht. Jetzt aber merke ich diese innere Unruhe, dass das noch nicht alles war. Für mich zumindest. Ich habe bereits hier über meine Pläne zum Umziehen gesprochen. Das war immerhin schon vor gut einem halben Jahr und um ehrlich zu sein, ist dieser Drang, etwas an meinem Leben grundlegend verändern zu wollen, sogar noch größer geworden.     







Ich glaube, genau aus diesem Grund mochte ich schon immer Bahnhöfe so sehr. Also nicht diese kleinen abgeranzten, wo man froh sein kann, einen Kaffee zu bekommen oder im Dunkeln nicht weggefangen zu werden. Ich meine die großen, die schönen, die alten; dort, wo man das Gefühl bekommt, überall hinfahren zu können, wenn man das richtige Gleis kennt (...und natürlich ein Ticket hat). Ich habe dort immer das Gefühl in einer eigenen Zeit und an einem seltenen Ort zu sein, wo man fremde Städte schon regelrecht riechen kann. Diese Sehnsucht nach fremden Städten, neuen Gesichtern und anderen Geräuschen trage ich schon lange mit mir herum.
Und während ich diesen Post schreibe, sitze ich im Starbucks im Hauptbahnhof, beobachte die Kaffeedurstigen, die durch die Tür kommen und frage mich wo sie wohl herkommen, die sich ihren Kaffee bestellen und mit ihren heißen Bechern und ihren Geschichten wieder verschwinden. 


Nein, das hier bis jetzt war noch nicht alles. Und ich will herausfinden, was noch so auf mich wartet. 










OUTFIT: 

Jeans - New Yorker 
Pullover - H&M 
Jacke - Vero Moda 
Schuhe - Vans


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