Bist du glücklich?





Am Sonntag wurden die Uhren wieder umgestellt. Und obwohl mir eine Stunde kostbarer Schlaf geraubt wurde, macht mich der Anfang der Sommerzeit ein bisschen glücklich. Ich gucke auf die Uhr, es ist halb 7 und draußen immer noch hell. Ich sitze bei offenem Fenster am Schreibtisch, lausche LANY (absolute Crush-Neuentdeckung von mir! <3) und habe das Gefühl ich kann die warmen Tage schon riechen. Neben meinem Bett stapeln sich wieder neue ungelesene Bücher, 'brainfood' wie ich es gerne nenne, um mal wieder öfter zwischen die Seiten als aufs Handy zu gucken. Ich schreibe momentan meine Bachelorarbeit. Und auch, wenn ich mir natürlich 100 bessere Dinge vorstellen kann, meine Tage zu verbringen,  hätte ich nie gedacht,
dass ich mich mal zwischen all den andern müden Studenten in der Bibliothek wiederfinde und dieses stille vor sich Hinarbeiten auf mich abfärben würde und ich sogar fast lieber in der Bibliothek arbeite. Ich kaufe mir die ersten Erdbeeren im Supermarkt, auch wenn die noch ziemlich fad schmecken, trage so oft wie möglich Sonnenbrille, meine Sportklamotten oder Sonnenstrahlen im Gesicht und trinke fast jeden Tag Eiskaffee, einfach -- weil ich Lust drauf habe.

Um es auf den Punkt zu bringen: Es  gibt gerade sehr viele kleine Dinge, die mich glücklich machen, auch wenn ich derzeit Gründe hätte, sehr traurig zu sein. Oder sollte ich lieber sagen: Ich versuche, bewusster mehr Dinge zu tun, die mich glücklich machen? Glücklich sein ist nämlich oft ein Gefühl, sollte aber auch Einstellung sein. Es sind nämlich meistens diese kleinen Dinge, die wir im Hamsterrad der Gewohnheiten immer mehr vernachlässigen. Und das bezieht sich gar nicht nur auf Dinge, die ich mir kaufen oder womit ich meine Freizeit verbringen kann, sondern eben auch auf meine Einstellungen, die Art wie ich anfange beziehungsweise verändere, Dinge zu sehen, wenn ich mich frage: Bist du glücklich?  

    

Bist du glücklich?  

Nur, mal ehrlich, wer fragt sich das schon regelmäßig? Dabei sollte es die wichtigste Frage überhaupt sein. Und wenn du nur einen Moment zögern musst, sie mit JA zu beantworten, sollte man sich ebenso wichtig fragen: WAS macht mich denn glücklich? 

Ich bin eigentlich jemand, der in der Buchhandlung an diesen Tischchen einen großen Bogen macht, die die neusten Lebensratgeber á la "So werden sie endlich glücklich" oder "Bereinigen sie ihr Leben" zu süßen Türmchen aufstapeln. Bis ich letztens einmal den Bogen etwas kleiner gemacht habe und mein Blick auf ein Buch fiel, das meine Aufmerksamkeit weckte. Jetzt liegt es neben meinem Bett, wartet darauf gelesen zu werden (Review wird natürlich folgen) und ich musste feststellen, dass man sich mit dem Thema und der omnipräsenten Frage nach dem Glücklich Sein auch auf humorvolle Weise und vor allem nicht wie ein Religionslehrer beschäftigen kann. So fand ich mich also in dieser Buchhandlung wieder und in Glücksbüchern stöbern und merkte nach 1 1/2 Stunden, dass es mal Zeit wäre zu gehen.

Alles eine Frage der Einstellung 

Aber zurück zur Frage der Fragen: Je öfter ich anfing mich zu fragen, welche Dinge mich eigentlich glücklich machen, kam ich von Kaffee, Mode, Büchern, Schreiben, Spaziergängen, Sonnenaufgängen oder Blumen usw. schnell zu den immatriellen Dingen wie Familienzeit, Gesundheit oder Freunde. Allerdings wollte ich auch wissen was ich machen kann, um glücklich(er) zu werden.
Lange dachte ich, es wäre ausreichend sich einfach in den gängigen Gewohnheiten und Konventionen zu bewegen. Dachte, mein Studium müsste mir wichtig sein, und ich wäre damit glücklich, weil, ja es ist immerhin dein Studium, momentanes Sinnbild deiner Zukunft. Bis ich mir irgendwann erlaubte, meinen Unmut darüber zuzulassen, ja sogar auszusprechen, auch vor meinen Eltern. Das mache ich nicht, um sie zu ägern, sondern um ehrlich zu mir selbst zu sein. Natürlich möchte ich noch einen guten Abschluss schaffen. Aber letztendich ist es für mich auch nur eine Zahl auf dem Papier. Ich kann nicht stolz darüber sein, sagen zu können "Ich habe meinen Bachelorabschluss mit ... gemacht" wo ich dann hoffentlich eine tolle Note einfügen kann. Worauf ich stolz bin ist die Tatsache, dass ich nach 19 Jahren Elternbehütet aus einer 12.000 Einwohner Stadt 400km weiter östlich plötzlich eine unter 520.000 war. Dass ich mir ein neues Umfeld aufgebaut habe, Schwierigkeiten und Wäsche alleine bewältigen musste und mich das tougher gemacht hat als meine vier Jahre ältere Schwester (sorry, Sis!).

Ob wir glücklich sind wird also nicht allein durch Gegebenheiten bestimmt, sondern durch unsere Einstellung dazu. Während ich viele oft über Arbeit, Mitmenschen oder Zwischenfälle schimpfen höre oder einfach mitkriege, wie sie sich von "banalen" Situationen runterziehen lassen, kann ich manchmal nur den Kopf schütteln. Wie oft werden wie wohl noch einen schlechten Tag auf der Arbeit haben, Pech bei Wünschen oder schlechte Noten bekommen? Wie oft werden wir Regenschirme genau dann vergessen, wenn es nach Tagen wieder regnet, etwas verlieren oder wie oft werden wir Leuten hinterherrennen müssen wegen Kleinigkeiten?  

Die wichtigste Sache ist deine Einstellung dazu.

Mir meinen Feierabend vermiesen lassen, weil der Chef rumspinnt? Wieso?    
Menschen belehren wollen, für die du nur ein Gesicht unter vielen an diesem Tag warst? Wieso? 

Jammern oder Meckern hilft niemandem, erst Recht nicht dir selbst, es stört bloß die schöne Athmosphäre, die das Leben womöglich in dem Moment für dich bereithält.

Die Liste

Also nochmal zurück zur Frage: Bist du glücklich? Viele lassen ihre Gefühle von diesen "schlechten" Erfahrungen leiten. Plötzlich ist alles kacke. Plötzlich ist man einer, der nie Glück hat, der, der alles ausbaden muss, das Mädchen für alles. Naja, wenn du dich zu einem Mädchen machen lässt -- selbst Schuld. Aber ließen wir mal all diese Subtrahenten des Alltags außen vor, was bliebe für dich übrig?  

Du wüsstest gar nicht wirklich, ob du glücklich wärst, weil du nämlich ständig mit dem beschäftigt warst, was dich unglücklich macht. 

Aber was wäre dann das, was dich glücklich macht? Was käme auf diese Liste? Und wieso hast du diese Liste nicht immer, irgendwo da in deinem Hinterkopf?
Ich habe eine solche Liste. Und wenn mir danach ist, kaufe ich mir etwas, nehme mir Zeit für etwas oder tue auch gar nichts, wenn mich das glücklich machen sollte. Weil ich mich dazu entschieden habe, lieber glücklich zu sein, bzw. immer mehr Dinge dafür zu tun, die das unterstützen können als mir einzureden, mein Glück hängt allein vom Umfeld ab. Natürlich geht es auch mir manchmal ziemlich scheiße oder Dinge laufen kacke. Das heißt aber nicht, dass ich ewig die Kosequenzen dafür ausbaden muss.

Momentan fällt es mir leicht, Dinge zu finden, die mich glücklich machen, obwohl ich gleichzeitig ziemlich traurig sein könnte. Denn Glücklichsein ist eben nicht immer nur ein Gefühl, sondern auch eine Einstellung.    

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