TEXT: Aus den Augen verloren




Damals: Und während ich hier sitze und so darüber nachdenke, merke ich, wie es anfängt ganz langsam aber allmählich den Weg Richtung Kompliziertheit zu nehmen. Die Sache mit uns wird schwierig und damit unberechenbarer. Es ist nicht so, dass keine Verbundenheit mehr zwischen uns besteht. Aber je weniger wir uns Mühe geben, diese zu stärken, desto verschwommener wird der Blick auf dieses Band. Manchmal hab ich die Angst, es komplett aus den Augen zu verlieren und dann nicht mehr zu wissen, ob es überhaupt noch da ist.

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Heute:  Ich bin mittlerweile an einem Punkt angekommen, dass ich mit dem Ja-oder-Nein-Gedanken am Meisten Frieden mit mir geschlossen habe. Ich will aufhören mir den Kopf zu zermatern über besondere Rahmenbedingungen, falsche Zeichen oder mögliche Missverständnisse. In dieser Art zu denken ist kein Platz mehr für Vielleichts, Womöglichs oder Eventuells, die Türen offen und Träume aufrecht erhalten. Ich will keine Vielleichts mehr.

Auch wenn es mir damit im ersten Moment nicht gut geht, da dieses schwarz/weiß Denken mir natürlich unmissverständlich aufzeigt, dass ich auf eine Weise verloren habe, ist es doch die Art, mit der es mir langfristig am Besten gehen kann.
Wenn ich die letzten Jahre Revue passieren lasse und zurückdenke, merke ich, dass ich einen entscheidenden gleichen Fehler immer viel zu spät bemerkt habe. Mittlerweile weiß ich, dass die Gefahr, sich von einem Menschen emotional abhängig zu machen so hoch sein kann, aber man sie manchmal trotzdem nicht erkennt.

Ich will mich einfach nicht mehr aus der Bahn werfen lassen, ohne es vielleicht bewusst zu merken, und dessen Grund und Wert es gar nicht rechtfertigt. Wo fangen wir an, uns selbst aus den Augen zu verlieren?







Vielleicht an der Stelle an der wir denken, wir müssten noch die letzen Reserven aufrüsten und wieder in die Schlacht ziehen. Um für etwas zu kämpfen, das gar nicht umkämpft werden will, oder das es gar nicht mehr zu erkämpfen gibt. Denn in erster Linie solltest du für dich selbst kämpfen. 
Es ist nicht deine Aufgabe etwas zu retten, was nicht alleine nur in deiner Hand liegt. Du wirst immer an den Punkt kommen, an dem es nicht mehr weiter gehen kann, weil dir die Mittel fehlen. Und du sowieso alleine damit dastehst. Nicht alles liegt in deiner Hand, du kapierst es nur nicht. Aber wie Erich Fried mal sagte, muss auch das ich aus der Hand zu geben bereit sein.
Wir haben uns aus den Augen verloren. Und ich mich selbst.




 
Das Denken daran, dass alles schon seinen Weg laufen wird und sich Dinge entwickeln, wie sie passieren sollen, soll nicht bedeuten, dass wir nicht weiterhin investieren und mutig sein sollten. Es geht ja gerade darum den Moment im Hier und Jetzt als so wichtig zu erachten und uns klar zu machen, dass wir in der Hand haben ihn zu gestalten. Es soll uns aber den Druck nehmen zu glauben, wir müssten alle negativen Konsequenzen dieses Momentes in der Zukunft ebenso tragen, obwohl diese vielleicht außerhalb unserer Handlungen liegen. Es ist falsch, diese als Produkte unseres eigenen Versagens anzusehen. Manche Dinge haben wir einfach nicht in der Hand. Die Abhängigkeit von einer Entwicklung, die wir nie vollends kontrollieren können und es auch nie werden, ist absurd; sein Glücklichsein an einer anderen Person und dessen Verhalten zu definieren, einfach falsch. 

Also höre ich auf, alles immer im Blick haben zu wollen. Höre auf, alles kontrollieren zu wollen. Höre mehr auf mich. Gebe es aus der Hand. Und will mich selbst nicht mehr aus den Augen verlieren.   


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