OUTFIT: Vergangenheitsmensch




Während ich diesen Post verfasse, diesen neuen Post nach einer absoluten Ewigkeit, sitze ich mal wieder im Fernbus und fahre irgendwo quer durch Deutschland. Mir kommt es vor, als hätte ich die letzen Wochen mehr Zeit im Bus verbracht, als in der Uni oder sonst wo, was aber angesichts meines entspannten Studiums nicht sonderlich schwer ist. Und während ich an meinem Fensterplatz sitze, eilt draußen an mir die Landschaft vorbei. Ich bin von A nach B gefahren und von B nach C, hab Distanzen überwunden, Orte hinter mir gelassen, um dann ein paar Stunden später in einen anderen hineinzustolpern. Ich weiß, es ist nichts Besonderes innerhalb von Deutschland zu verreisen, aber für mich bedeutet es gleichzeitig für eine bestimmte Zeit nirgendwo zu sein, irgendwo zwischen zwei Punkten, nicht mehr dort und noch nicht da, irgendwie dazwischen zu sein.


Genauso verhält es sich mit dem Loslassen. Oder sollte ich eher sagen mit dem Verlassen? Ich habe die letzte Zeit schmerzlich merken müssen: Ich bin ein "Vergangenheitsmensch". Nicht absolut und durch und durch, aber genug, um mir damit selbst im Weg zu stehen und es mir schwerer zu machen, als ich es eigentlich ertragen will. Ein Vergangenheitsmensch lebt nicht zwangsläufig nur in der Vergangenheit. Aber ich messe ihr zu viel Bedeutung in der Gegenwart bei. Trage sie wie das ganze Zeug aus einer Frauenhandtasche mit mir herum, das man sicherheitshalber mal mitnimmt, aber eigentlich gar nicht zwingend braucht. Man trägt das unnötige Gewicht und es nimmt einem außerdem Platz weg, und man versucht die anderen Sachen mit Mühe dazu zu stopfen.


Aber ich brauche die Konfrontation mit Momenten der Vergangenheit. Ich rufe sie mir in meinem inneren Gedächtnis auf, analysiere sie und rahme sie ein. 
Was mich zu einem Vergangenheitsmenschen macht, ist meine Abneigung gegen unerwartete Veränderungen, deren Beeinflussung ich nicht in der Hand habe. Entwicklungen, die das Leben vorschreibt, wenn man sie so nennen will. Ich habe meine eigene Art finden müssen, diese Entwicklungen zu akzeptieren. Zu akzeptieren, dass die bisherige Gegenwart Vergangenheit geworden ist, weil sich Dinge verändern mussten. Und dafür muss ich mir die Vergangenheit noch ein letztes Mal in die Gegenwart holen. Mir die volle Drönung auf Großleinwand anschauen. Andere sehen das Leben wie einen Film an, der in seinem eigenen Tempo läuft. Ich drücke gerne auf Pause und versuche Momente zu verzögern, zurückzuspulen so oft ich will, bis ich mir jedes kleinste Detail eingeprägt habe. Noch ein letztes Mal Vergangenes erleben können und doch noch nicht richtig nach vorne schauen für die Gegenwart, zwischen zwei Zuständen taumeln, die noch so eng aneinander geknüpft zu sein scheinen, aber deren Grenzen trotzdem schon klar abgesteckt sind. Irgednwie dazwischen feststecken. 


Vergangenheitsmenschen können schwer loslassen. Aber sie müssen die Vergangenheit schlussendlich irgendwann wieder verlassen. Das weiß ich und es dauert seine Zeit, aber ich merke auch irgendwann, dass diese Vergangeheit in der Gegenwart nur ein blasses Abbild ihrer tatsächlichen Farben sein kann. Man kann sich an alles erinnern, aber Vergangenes kommt niemals so zurück, wie es war. Und so schwer dies für Menschen wie mich ist, und jetzt kommt die abgedroschenste Lebensweisheit ever: das ist das Leben. Und wenn man dies einfach akzeptiert, so wie es ist, sich nicht mehr den Kopf an zu schweren und zu großen Fragen kaputt haut, die sowieso nicht mehr beantwortet werden können, dann hört man mehr und mehr auf, auf Pause zu drücken.

Was ich bei der ganzen Sache aus den Augen verloren habe ist die einfache Tatsache, die Dinge nur so zu sehen, wie sie jetzt gerade sind. Wie sie dir jetzt momentan begegnen und was sie dir jetzt bedeuten. Ich habe immer daran gedacht, was sie mal waren, oder was sie hätten sein können, anstatt wirklich hinzusehen. Anstatt zu sehen, was sie geworden sind.




 



 

  



         

 Details: Pants - Tom Tailor / Sneaker - Puma / Top & Jacket - Tom Tailor Denim / Bag: David Jones 




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2 Comments

  1. Auch wenn ich mich wirklich schon gebessert habe, so bin und bleibe ich doch auch ein Vergangenheitsmensch. Viel zu häufig zerbreche ich mir den Kopf über Dinge, die in der Vergangenheit liegen und ich sowieso nicht mehr ändern kann. Eigentlich ziemlicher Quatsch, aber na ja. So ist es manchmal eben. :D

    Dein Outfit finde ich übrigens wunderschön. Manchmal ist weniger eben mehr. Diesmal in Hinblick auf die Farbe. ;)

    Liebe Grüße,
    Lisa von LisaMary.de

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    1. Ich glaube, man kann das auch nie wirklich ablegen sondern sich bloß, wie du schon sagtest, "bessern". Aber das ist ja auch okay so ;) Auf jeden Fall lieben Dank für deinen Kommentar!

      Liebe Grüße, Josi

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