Mal wieder ans Meer

 
Früher bin ich mit meiner Familie fast jedes Jahr im Sommerurlaub an die Ostsee gefahren. Als Kleinkind war es mir ziemlich egal, wohin wir fuhren. Hauptsache, ich konnte meine dürren Ärmchen in die Schwimmflügel stecken und meinen kleinen Apfelpo in die Wellen schmeißen. In meinen jungen Jahren dann habe ich es gemocht, jedes Mal an dem Meer zu sein, das ich schon sehr gut zu kennen schien. Dann, in der späten Pubertät fand ich es einfach nur öde, stundenlang am Strand die Zeit totzuschlagen und jeden Moment mit einem Wetterumschwung rechnen zu müssen. Alles schon hundert Mal gesehen und es frustrierte mich, nicht irgendwo an einem türkisblauen Meer mit einem All-inclusive Cocktail in der Hand voll auf fame zu tun.

Gestern fand ich beim Aufräumen eine Kette aus Onyxsteinen wieder, die ich mir in einem besagter Urlaube gekauft habe. Onyx, weil er der Geburtstagstein für mein Sternzeichen Steinbock ist. Laut einschlägiger Internet- Seiten soll er beruhigende Wirkung auf seinen Träger haben, das Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen stärken und vor allem eines schaffen: innere Ruhe. Etwas, das ich die letzte Zeit vergeblich gesucht, aber nicht gefunden habe. Der ich hinterher gejagt bin, mir aber ständig den Rücken zudrehte. Ich bin unsicher geworden, weil ich nichts fand, das mir Sicherheit gab- und das spannte mich an.
Etwas, das mir Kraft gibt und was mir gleichzeitig extrem Angst macht, sind Veränderungen. Ich liebe ihre Möglichkeiten, aber ich hasse ihre Zweideutigkeit und ihre Endgültigkeit. Ich hasse ihre Spontanität und ihre Stärke. Ich verabscheue ihre Zwanghaftigkeit.  
Ich habe die Kette nach dem Kauf nie sonderlich oft getragen oder gar gemocht, war zeitweise kurz davor sie wegzuschmeißen. Und plötzlich stehe ich da, nehme sie in die Hand wie die 100 Male zuvor, aber fühle mich zurück erinnert an eine Josi, die ich mal war. Die an einem Straßenstand diese Kette kaufte. Die es geliebt hat, direkt am ersten Abend noch zum Strand zu gehen. Die es geliebt hat, die harten Holzbohlen unter der Fußsohle zu spüren, bevor man seine Zehen im weichen Sand vergraben kann. Die es geliebt hat zuzusehen, wie sich die Wellen an den Buhnen brechen.

Und jetzt, da ich sie nach Jahren wieder in den Händen halte, weiß ich, was all die Urlaube ans immer gleiche Meer eigentlich waren: Sicherheit.
Ich hänge jeden Tag in den Seilen Erinnerungen und Neuigkeiten und merke dabei gar nicht, dass ich dabei mich selbst übertöne. Es klingt total abgegriffen, aber: Man sollte sich jeden Tag aufs Neue fragen, was man eigentlich will. Denn mit dem Wunsch von gestern kann man sich heute plötzlich unwohl fühlen oder ein alter Wunsch kommt wieder in einem hoch, den man vielleicht wochenlang missachtet hat. Vor allem sollte man dabei nur auf eine Stimme hören, und zwar auf seine eigene.
Und jetzt, da ich die Kette nach Jahren wieder in den Händen halte, höre ich, dass ich mal wieder ans Meer fahren will.
 
 
-- Shoes: adidas // Pants& Shirt: Tom Tailor // Bag: adidas NEO --
 



 
 



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2 Comments

  1. Sehr cooles Outfit. Super lässig und macht doch einiges her! Gefällt mir sehr.

    Liebe Grüße, Ella
    www.ellaloves.de

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